In Gefahr?
«Die Baukultur als Teil unseres kulturellen Erbes ist heute in mehrfacher Hinsicht bedroht.»
Mit dieser Frage lancieren die Europäischen Tage des Denkmals 2026 einen Aufruf. Eine Einladung, zu beobachten und aufmerksam zu sein, damit unser manchmal zerstreuter Blick nicht aus Unwissen oder Unachtsamkeit über die Stätten unseres Kulturerbes hinwegschweift, ohne zu verweilen. Schliesslich sind sie die Träger unserer wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Geschichte.
Die Baukultur als Teil unseres kulturellen Erbes ist heute in mehrfacher Hinsicht bedroht. Einerseits trifft der Klimawandel historische Bauten in ihrer Substanz: Die zerstörerische Kraft von Überschwemmungen, Hitzewellen, Stürmen oder Erdrutschen ist für die oft Jahrhunderte alten Bauten eine Bewährungsprobe und stellt die Denkmalpflege vor neue Herausforderungen. Andererseits verändern Aufwertungs-, Bau- und Umnutzungsprojekte unsere Städte, Dörfer und Landschaften; sie verlangen einen konstruktiven Dialog und ein aufmerksames gegenseitiges Zuhören. Viel steht auf dem Spiel: Es gilt, die Zeugnisse unserer Geschichte nicht dem Verschwinden preiszugeben, sondern entschlossen, umsichtig und pragmatisch mit den heutigen Gegebenheiten umzugehen. Denkmäler, historische Gärten, archäologische Stätten und schützenswerte Ortsbilder sind wichtige Bezugspunkte, die unsere Lebensräume prägen und sie einzigartig machen.
Deshalb ist der Schutz des kulturellen Erbes nicht Sache einiger weniger Fachleute. Er liegt in unserer gemeinsamen Verantwortung. Konservatorinnen, Archäologen, Handwerkerinnen, Behörden, Eigentümerinnen und engagierte Bürgerinnen und Bürger bilden zusammen ein dynamisches Netzwerk von Kompetenzen. Nur wenn wir Energien und Entscheidungen bündeln, können wir bewahren, anpassen und weiterentwickeln. Der rechtliche Rahmen und staatliche Massnahmen erfüllen ihren Zweck, wenn sie breit abgestützt sind und im Bewusstsein verankert, dass jede und jeder zum Schutz dieses Gemeinguts beitragen kann. Ich begrüsse die Einladung der Denkmaltage 2026, über den Wert unseres Baukulturerbes nachzudenken, über die Gefahren, denen es ausgesetzt ist, und die nötigen Schutzmassnahmen. Genauso begrüsse ich den Dialog zwischen dem Denkmalschutz und aktuellen Herausforderungen – denn dieser wird angesichts des Bedarfs an Wohnraum und der Bereitstellung erneuerbarer Energien weiter an Bedeutung zunehmen.
Elisabeth Baume-Schneider
Bundesrätin
Vorsteherin des Eidgenössischen Departements des Innern