In Gefahr?
«Wir laden Sie herzlich dazu ein, an den Denkmaltagen zu erleben, wie dieses Zusammenspiel in der Praxis aussieht und wie aus Herausforderungen konkrete Lösungen entstehen, um unser kulturelles Erbe zu stärken und lebendig zu halten.»
Weltweit steht das Kulturerbe unter zunehmendem Druck. Das UNESCO World Heritage Centre unterscheidet 14 zentrale Gefahrenbereiche, die von natürlichen Prozessen bis zu menschengemachten Eingriffen reichen und jeweils zahlreiche spezifische Risiken umfassen.
Diese globalen Entwicklungen spiegeln sich auch im Schweizer Kontext wider. Hierzulande beeinträchtigen insbesondere der Klimawandel, das Bevölkerungswachstum, die intensive Bautätigkeit, der Übertourismus, die Urbanisierung und die steigende Mobilität das materielle wie auch das immaterielle Kulturerbe nachhaltig.
Wir verfügen in der Schweiz grundsätzlich über wirksame gesetzliche Instrumente, um den Druck auf das kulturelle Erbe abzufedern. Sie geraten jedoch zunehmend in Bedrängnis. Wachstumsdynamiken, Verdichtungsziele und wirtschaftliche Interessen führen immer häufiger dazu, dass etablierte Schutz- und Abwägungsmechanismen infrage gestellt oder als Hindernis wahrgenommen werden.
Als Ständerätin und als Präsidentin des Netzwerks Kulturerbe Schweiz verfolge ich diese Entwicklungen aufmerksam. Das Netzwerk Kulturerbe Schweiz setzt sich dafür ein, die bestehenden Grundlagen zu stärken und ihre Anwendung zu verbessern. Wir wollen verhindern, dass sie schrittweise relativiert oder ausgehöhlt werden. Aktuelle Beispiele sind die Diskussionen um das Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung (ISOS) und um die kantonalen Inventare.
Allerdings entstehen oft dort, wo historische Bauten, archäologische Stätten, Kulturlandschaften oder lebendige Traditionen bedroht sind, besonders kreative und zukunftsweisende Ansätze, um sie nachhaltig zu schützen und weiterzuentwickeln. Forschung, Digitalisierung und technischer Fortschritt eröffnen neue Wege für innovative Materialien in der Restaurierung, moderne Vermittlungsformen oder zeitgemässe Techniken der Bewahrung.
Wir laden Sie herzlich dazu ein, an den Denkmaltagen zu erleben, wie dieses Zusammenspiel in der Praxis aussieht und wie aus Herausforderungen konkrete Lösungen entstehen, um unser kulturelles Erbe zu stärken und lebendig zu halten.
Mathilde Crevoisier Crelier
Präsidentin Netzwerk Kulturerbe Schweiz und Ständerätin des Kantons Jura